Romano Guardini

Zitate

1. „Man kann auf die Dauer kein guter Christ sein ohne zu beten – sowenig man leben kann, ohne zu atmen“.

2. „Wir beten nicht, um Gott wissen zu lassen, was wir wollen, denn er kennt unser Herz besser als wir selbst; sondern wer betet, lebt vor ihm, zu ihm hin, von ihm her, gibt Gott, was sein ist, und empfängt, was Er geben will“.

3. „Immerfort empfange ich mich aus Deiner Hand. Das ist meine Wahrheit und meine Freude. Immerfort blickt Dein Auge mich an, und ich lebe aus Deinem Blick, Du mein Schöpfer und mein Heil. Lehre mich, in der Stille Deiner Gegenwart das Geheimnis zu verstehen, dass ich bin. Und dass ich bin durch Dich und vor Dir und für Dich“.

4. „So wie eine Kerze an der Flamme einer anderen angezündet wird, so entfacht sich Glaube am Glauben“.

5. „Es ist der tiefste Sinn des Lebens, sich in Wahrheit und Liebe für Gott zu verzehren, wie die Kerze in Licht und Glut“.

6. „Man soll die Wahrheit so sprechen, dass sie nicht zerstört, sondern aufbaut“.

7. „Der Gerechte lebt durch den Glauben – aber es ist gut, wenn er das Gewissen hinzufügt“.

8. „Das ist aller Gastfreundschaft tiefster Sinn, dass einer dem anderen Rast gebe auf dem Weg nach dem ewigen Zuhause“.

9. „Die Aufgabe des christlichen Lebens besteht darin, Christus in das eigene Dasein zu übersetzen“.

10. „Das ganze Leben besteht aus Gelegenheiten, Jesus zu begegnen“.

Romano Guardini (1885-1968) war Priester und Professor für Religionsphilosophie und christliche Weltanschauung. Er war prägend für die Liturgische Bewegung und die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) und gilt als einer der einflussreichsten katholischen Denker des 20. Jahrhunderts.

Tischgebet

Der Dorfpfarrer setzt sich zu Tisch und beginnt zu essen, ohne sein übliches Tischgebet gesprochen zu haben. Als ihn die Haushälterin darauf aufmerksam macht, meint er nur: „Über allem, was sich auf diesem Tisch befindet, wurde schon mindestens dreimal der Segen gesprochen…“

Student

Warum war Jesus ein typischer Student? Nun, er wohnte bis 30 noch bei seiner Mutter, hatte lange Haare, und wenn er was gearbeitet hat, war es ein Wunder.

Otto Strützel (1855 – 1930)

Geboren am 2. September 1855 in Dessau im Herzogtum Anhalt als zweites Kind des Schneidermeisters Leopold Strützel. Angeregt durch den Hofmaler August Decker begann Strützel schon während seiner Schulzeit in Öl zu malen. Nach dem Tod des Vaters 1870 arbeitete er in der lithographischen Anstalt von David Neuburger, 1871 in der Kunstanstalt von Giesecke und Devrient in Leipzig. Dort begann er noch im selben Jahr ein Studium an der Kunstschule, unter anderem zusammen mit Arthur Langhammer, unternahm Reisen nach Dänemark und Tirol und betrieb erste Freilichtstudien. Seit 1879 studierte Strützel an der Düsseldorfer Akademie bei Carl Irmer und Eugène Gustav Dücker und hielt sich in den folgenden Jahren im Frühling und im Herbst zusammen mit Hugo Mühlig in der Künstlerkolonie Willingshausen in der Schwalm/Hessen auf. Das 1883 im Münchner Glaspalast ausgestellte Gemälde „Sommertag am Weiher“ weckte die Aufmerksamkeit Heinrich von Zügels, den Strützel im selben Jahr nach Murrhardt in Württemberg begleitete. Von diesem angeregt, begann Strützel, Schafe und Schafherden als eigenständige Themen in sein Werk aufzunehmen. 1885 heiratete er die Schwedin Maria Ahlström und zog nach München in die Adalbertstraße. Wie schon 1883 verbrachte er nun regelmäßig die Sommermonate in Dachau/Etzenhausen, seit der Jahrhundertwende auch in Ohlstadt, wo er 1910 ein Haus erwarb. Seit 1883 nahm er an den Ausstellungen im Glaspalast teil; 1931 verbrannten dort 61 seiner Gemälde. Strützel erhielt zahlreiche Ehrungen und Medaillen für seine künstlerische Arbeit, 1904 wurde ihm zudem der Titel eines Professors verliehen. Strützel war hauptsächlich Landschafts- und Tiermaler. Zahlreiche Bilder entstanden auf seinen Reisen in Schweden, auf Gotland in der Ostsee, in Dänemark, Frankreich, Oberbayern und am Bodensee, viele Ansichten dabei in nur leicht voneinander abweichenden Variationen. Gestorben am 25. Dezember 1930 in München.

(Neue Pinakothek München, Deutsche Künstler von Marées bis Slevogt, Band S-Z, Bayerische Staatsgemäldesammlungen (Hrsg.), Hirmer Verlag GmbH, München 2003, S. 138)

Landschaft mit Nadelbäumen, Malkarton 50×35 cm

Heinrich von Zügel (1850 – 1941)

Am 22. Oktober 1850 als Sohn des Schafhalters Ludwig Zügel und dessen Frau Katharina, geb. Reber, in Murrhardt/Württemberg geboren. Zügel gilt als einer der bedeutendsten deutschen Tiermaler der Jahrhundertwende, dessen Spezialität Bilder von Schafen und Rindern sind. Als Schüler der Stuttgarter Kunstschule besuchte er 1869 die Internationale Kunstausstellung in München und siedelte noch im selben Jahr dorthin über. Das Studium an der Akademie bei Piloty entsprach jedoch nicht seinen Vorstellungen, und so wurde er Mitglied der Diez-Schule, verkehrte mit Gotthardt Kuehl und schloss sich dem Tiermaler Anton Braith an. Um 1871/72 entstanden erste Hauptwerke in kleinteilig modellierender Malweise, die thematisch eng mit seinen Kindheitserlebnissen verbunden sind. 1873 zeichnete die Wiener Weltausstellung sein Gemälde „Schafwäsche“ mit einer großen Goldenen Medaille aus, weitere Ehrungen folgten. Museen erwarben seine Werke, und 1889 ernannte man ihn zum Königlich Bayerischen Professor. Auf Einladung des Tiermalers de Haas kam Zügel 1890 nach Holland und Belgien. Diese Reisen beeinflussten ihn stilistisch, und er verarbeitete nun zunehmend atmosphärische Eindrücke von Licht und Sonne in impressionistisch aufgelockerter Malweise in seinen Gemälden, die nach wie vor Schafe, aber auch Rinder und Esel in der Landschaft abbildeten. 1894 wurde Zügel an die Karlsruher und 1895 an die Münchner Akademie berufen. Er entdeckte in dieser Zeit das nördlich von Karlsruhe gelegene Fischerdorf Wörth und gründete von dort aus die so genannte Zügel-Schule, zu deren Schülern unter anderem Otto Dill und Julius Seyler gehörten. Aufenthalte auf der Elbinsel Finkenwerder, der rauen Alb und in der Lüneburger Heide beeinflussten in der Folgezeit seine Bildthemen. Im ersten Jahrzehnt nach 1900 wurde Zügel erneut ausgezeichnet, und bei den Hoffesten und Treibjagden des Prinzregenten Luitpold war er ein häufiger Gast. 1909 hielt er sich auf Einladung seines Schülers Down längere Zeit in England und zwischen 1910 und 1913 wiederholt in der Steiermark auf. Zügel litt in seinen letzten Lebensjahren, die weitgehend ohne malerische Zeugnisse blieben, unter schweren Depressionen. Gestorben am 31. Januar 1941.

(Aus: Neue Pinakothek München, Deutsche Künstler von Marées bis Slevogt, Band S-Z, hrsg. von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, S. 295, Hirmer Verlag GmbH, München 2003)

Vier Jungrinder am Zaun, Öl auf Leinwand, 35 x 46 cm

Das Gelübde

Die Äbtissin empfängt eine Frau, deren Tochter in den Orden eintreten will.

„Sie wollen also Ihre Tochter dem Herrn weihen. Wieviel Vermögen können Sie ihr mitgeben?“

„Wir besitzen leider nicht viel.“

„Sie haben kein Vermögen?

Wie soll sie dann das Gelübde der Armut ablegen?“

Richard Rohr

AN EINER POSITIVEN VISION FESTHALTEN

Hirnstudien haben gezeigt, dass wir uns auf Kosten einer optimistischen Sichtweise mit Vorliebe auf Probleme fokussieren. Das menschliche Hirn wickelt Ängste und Schwie­rigkeiten fest ein und dichtet das Sorgenpaket wie mit ei­nem Klettverschluss Marke Velco ab. Wir halten negative Erfahrungen noch lange nach dem Ereignis fest und ver­bringen Unmengen von Zeit mit der Spekulation darüber, was künftig schiefgehen könnte. Andererseits rutschen uns Positives, Dankbarkeit und schiere Glücksgefühle immer wieder weg wie Käse auf heißem Teflon. Studien wie die des Neurowissenschaftlers Rick Hanson zeigen, dass wir mindestens fünfzehn Sekunden lang bewusst bei einem positiven Gedanken oder Gefühl verweilen müssen, be­vor es in den Neuronen einen Abdruck hinterlässt. Diese Dynamik nennt man tatsächlich »Velcro/Teflon-Theorie«. Man könnte sagen, das Problem zieht uns mehr an als die Lösung.

Ich ermutige jede und jeden, mich nicht einfach blind heim Wort zu nehmen. Man beobachte einfach das eigene Gehirn und die eigenen Emotionen. Dabei wird man bald merken, dass es eine giftige Faszination für das Negative gibt, mag es sich dabei um eine Situation im Arbeitsleben, um miesen Klatsch und Tratsch, den du mitgehört hast, oder um eine bedauerliche Entwicklung im Leben einer Freundin oder eines Freundes handeln. Wirkliche Unab­hängigkeit von dieser Tendenz ist extrem selten, weil wir den größten Teil unserer Zeit von automatischen Reakti­onsweisen gesteuert werden. Deshalb besteht der einzige Weg, echte Spiritualität zu fördern, darin, die Freude an einem positiven Impuls und ein dankbares Herz bewusst zu trainieren. Und die Vorteile sind mit Händen zu grei­fen. Indem wir unseren bewussten Entscheidungen konsequent folgen, können wir unsere Reaktionen neu mit Liebe, Vertrauen und Geduld verdrahten. Die Hirnwissenschaft nennt das »Neuroplastizität«. Auf diese Weise vergrößern wir unsere Freiheitsfähigkeit, und das ist ganz gewiss der Herzschlag jeder echten Spiritualität.

Aus: Alles trägt den einen Namen. Die Wiederentdeckung des universalen Christus, S. 83-84

Franz Roubaud (1856 – 1928)

Franz Roubaud wuchs als Sohn französischer Eltern in Odessa auf. Bereits im Alter von 6 Jahren bekam er erste Unterweisungen im Zeichnen. Von 1877 bis 1878 studierte er an der Münchner Akademie der Bildenden Künste bei Karl Theodor von Piloty, Otto Seitz und Wilhelm von Diez. Der Abschluss der Studien erfolgten bei Josef von Brandt in dessen Münchner Atelier. Fortan widmete er sich fast ausschließlich der Darstellung kaukasischer Reiterszenen. Die Lage seines Geburtsortes bot dem Künstler die Gelegenheit, den Kaukasus mit seinen Bewohnern kennen zu lernen. Die dortige Landschaft, das Leben der Tscherkessen, Truppenzüge, Gefechte und Schlachten, sowie orientalische Stadt- und Marktszenen waren die Themen seiner Bilder. In seiner koloristischen Lichtmalerei mündet er in den internationalen Impressionismus ein. Prinzregent Luitpold von Bayern, sowie die Zaren Alexander III. und Nikolaus II. gehörten zu Roubauds Förderern. Der Prinzregent ernannte ihn 1889 zum außerordentlichen Professor und adelte ihn.  Immer wieder zog es den Künstler an den Chiemsee, wo er seit 1903 in Hochstätt bei Rimsting ein Landhaus besaß. Seit 1887 lebte der Künstler in München bis zu seinem Tod 1928.

Im Zirkus · 1912.  Gouache auf Papier auf Karton · 36,5 x 53,5 cm

Gotische Buchmalerei

In so genannten Skriptorien, den klösterlichen Schreibstuben wurden, meist auf Pergament geschriebene Handschriften hergestellt. Sie waren reich mit Bil­dern geschmückt und mit besonders verzierten Anfangsbuchstaben (Initialen) ver­sehen.

Zur Ausführung bedurfte es mehrerer Arbeitsschritte:

• Die für viele Handschriften typische Randleiste wurde mit roter Farbe gezogen (lat. Minium; daher der Name Miniatur).

• Texte wurden mit Gänsefeder und Tinte geschrieben, die Initialen und Bilder vorgezeichnet und mit Wasser- bzw. Temperafarben ausgemalt.

• Luxushandschriften wurden auch mit Purpur eingefärbt und reich mit Blatt­gold verziert.

In meiner Sammlung besitze ich einige Miniaturen.

Missale mit Choralnoten um 1400. Flämische Initiale.Pergament.11×16 cm

Einzelblatt spätmittelalterlichen gedruckten Stundenbuchs mit großer Miniatur. Frankreich um 1520. Pergament, 1. Hälfte des 16. Jh.

3. Kleines Andachtsbild:

„Die Seelen werden aus den Gräbern in den Himmel geführt“. Pergament, 1. Hälfte des 15. Jh.